| zurück |
Die Stadt Recklinghausen entwickelt bereits seit einigen Jahren ein breites Spektrum von Angeboten für Schulkinder. Durch die Bereitstellung zusätzlicher kommunaler Mittel und Flexibilität und Kreativität sind unterschiedliche Betreuungs-Bausteine entstanden, die hier vorgestellt werden. Es gibt eine große Angebotsvielfalt und eine Vernetzung der Angebote. Qualitätsfragen werden aktiv angegangen. Einleitung In Recklinghausen,
einer Stadt mit etwa 125.000 Einwohnern am Rande des Ruhrgebietes und
des Münsterlandes, ist der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz
erfüllt. Auch für Schulkinder ist über viele Jahre hinweg
eine kontinuierliche Erweiterung des Angebotes vorgenommen worden. Die
Vielseitigkeit und das damit verbundene kommunale Engagement ist nachfolgend
dokumentiert. Zum 01.10.2000 sind für 12,4% aller Kinder der Grundschuljahrgänge
unterschiedliche Betreuungsangebote vorhanden. Angebote für Schulkinder in Tageseinrichtungen für Kinder In 7 Einrichtungen mit unterschiedlicher Trägerschaft wird in Recklinghausen ein Gruppenangebot für Schulkinder vorgehalten, wie es im Gesetz Tageseinrichtungen für Kinder (GTK) beschrieben ist. Insgesamt werden 220 Kinder in altersgemischten Gruppen von 3 - 14 Jahren und Hortgruppen betreut. Ein zweites Angebot
begann vor ca. 4 Jahren. Für die Umwandlung von Gruppen waren keine
Ressourcen vorhanden, gleichzeitig nahm der Bedarf für die Betreuung
von Schulkindern stetig zu. Es entstand das Angebot "25plus"
, das nichts anderes meint, dass einzelne Kinder, die besonders dringend
eine Betreuung benötigten, zusätzlich in Kindergartengruppen
aufgenommen wurden. Das Landesjugendamt genehmigte diese einzelnen zusätzlichen
Aufnahmen. Der Standard "nicht mehr als 3 Kinder pro Gruppe"
wurde zur Orientierung zugrunde gelegt. Inzwischen werden bei den unterschiedlichen
Trägern insgesamt 104 Kinder im Rahmen von Kindergartengruppen
betreut. Aus dieser Entwicklung heraus konnte der Standard formuliert
werden: "Jede(r) Alleinerziehende in Recklinghausen bekommt in
Recklinghausen einen Platz für ihr/sein Schulkind." Neu ist ab diesem Kindergartenjahr (2000/2001) auch die Angebotsform "Schülertreff in Tageseinrichtungen für Kinder (SiT)". Hier finanziert die Stadt Recklinghausen insgesamt 5 kleine oder große SiT-Gruppen für insgesamt 82 Kinder. Dabei fügt die Stadt Recklinghausen den bereitgestellten Landesmitteln die gleiche Summe hinzu. Die Angebote sind in Trägerschaft von evangelischen und katholischen Trägern (4 Angebote) und in Trägerschaft der Stadt (1 Angebot). Angebote im Rahmen von Schule Im Rahmen der Angebotsform "Grundschule von 8 -13 Uhr" werden in Recklinghausen in Schulen insgesamt 14 Gruppen mit Plätzen für 252 Kinder angeboten. Erstmals konnte im Schuljahr 2000/2001 auch an einer Sonderschule eine Gruppe eingerichtet werden. Eine weitere Ausweitung des Angebotes wird angestrebt. Träger sind die Arbeiterwohlfahrt und Elterninitiativen. Das Angebot wird überwiegend nach der Schule angeboten, zumeist bis 13.15 Uhr. Eine Ausweitung des Angebotes mit Mitteln aus dem Bereich der Schulverwaltung bis 14.00 Uhr ist geplant und z.T. bereits umgesetzt. Eine Elterninitiative hat von sich aus ihr Angebot bis 16.00 Uhr erweitert. Vor Schulbeginn wird dort, wo es erforderlich ist, ebenfalls ein Angebot vorgehalten. Eine Lösung für die Bedarfe in den Ferienzeiten wird zur Zeit vorbereitet. Gedacht ist an eine Zusammenlegung von Gruppen und eine Kooperation mit Ferienangeboten der offenen Kinderarbeit. Weitere Angebotsformen und "Mischformen" Nicht erwähnt wurden in der dokumentierten "Produktpalette " die Betreuungsplätze für Kinder in der Jugendfreizeitstätte. Hier werden in zwei Einrichtungen noch einmal 27 Plätze vorgehalten. In zwei Tageseinrichtungen für Kinder wird zur Zeit das Angebot "Grundschule von 8 -13 Uhr" und "SiT" vorgehalten. Manche Kinder nehmen das Angebot bis 13.00 Uhr wahr, andere im Rahmen von SiT bis 16.00 Uhr. Eine gemeinsame Finanzierung ist möglich. Diese Angebotsform wurde erforderlich, weil geeignete Räumlichkeiten in der Grundschule nicht vorhanden waren. Elternbeiträge Die Elternbeiträge
für die Angebote im Rahmen des GTK sind gesetzlich festgelegt.
Für "SiT" wird in Absprache mit allen Trägern von
SiT-Gruppen ein einheitlicher Elternbeitrag von 100,- DM monatlich erhoben.
Bei einer Konstellation mit Geschwisterkindern wird das GTK analog angewandt,
so dass Eltern, die eine Betreuung für ein Kind im Rahmen von "SiT"
und für ein Kind in der Tageseinrichtung für Kinder in Anspruch
nehmen, nur einen Beitrag zahlen müssen. Die ausfallenden Elternbeiträge
übernimmt der Fachbereich Kinder,Jugend und Familie. Bedarfsabfragen (Jugendhilfeplanung) Durch eine ausgezeichnete Befragung konnte mit geringem organisatorischem Aufwand der Bedarf von Eltern schulpflichtig werdender Kinder für das aktuelle Kindergartenjahr (2000/2001) ermittelt werden. Die Abfrage wurde von den Leiterinnen der Einrichtungen durchgeführt. Dies garantierte eine Rücklauf- und Ergebnisquote von 96,5% (von 1180 schulpflichtig werdenden Kindern haben 1139 Eltern sich an der Befragung beteiligt).
Das Ergebnis war: Dieses Gesamtergebnis wurde anschließend durch eine sozialräumliche Zuordnung weiter ausgewertet. Für unterschiedliche Bedarfe kann nun in den Stadtteilen wohnortnah eine ausdifferenzierte Angebotsstruktur je nach Bevölkerungsstruktur und Nachfrageverhalten weiterentwickelt werden. Zusätzlich werden in halbjährlichen "Regionaltreffen" mit Trägern und Einrichtungen aktuelle Entwicklungen in den Regionen diskutiert und in die weitere Planung einbezogen. Insgesamt konnten aus diesen Ergebnissen Erkenntnisse für politisches Handeln gewonnen werden. So ist die Entscheidung der Ausweitung des Betreuungsangebotes im Rahmen von "Grundschule von 8 - 13 Uhr" auf den Zeitraum "bis 14.00 Uhr" auf der Grundlage der Abfrage erfolgt. Diese Abfrage soll nun regelmäßig im Frühjahr eines jeden Jahres durchgeführt werden. Im nächsten Jahr wird die Abfrage er weitert um die Frage nach den Betreuungsnotwendigkeiten während der Ferienzeiten. Es ist zu beobachten, dass Eltern ganztägige Betreuung nur deshalb in Anspruch nehmen, weil die Ferienzeiten nicht abgedeckt sind. Dies soll genauer untersucht werden. Qualitätskriterien Die Stadt Recklinghausen hat die Weiterentwicklung der Tageseinrichtungen für Kinder zu einem Schwerpunkt der Tätigkeit in den nächsten Jahren gemacht. Deshalb hat sie für den Bereich der Qualitätsentwicklung einen Fachberater neu eingestellt. Für den Bereich der Betreuung von Schulkindern in den verschiedenen Betreuungsformen in städtischen Tageseinrichtungen für Kinder ist ein "Qualitätszirkel Schulkindbetreuung" entstanden. Hier wird gegenseitige fachliche Beratung vorgenommen, Fortbildungen werden geplant und Qualitätskriterien und Evaluationsverfahren entwickelt. Nach einem eigens dafür entwickelten Kriterienkatalog werden alle städtischen altersgemischten Gruppen von 3 - 14 Jahren und alle Hortgruppen einer externen fachlichen Einschätzung unterzogen, die den Prozess einer Stärken-Schwächen-Analyse unterstützen und ggf. sehr genau die Bereiche identifizieren soll, die einer fachlichen Verbesserung bedürfen. Das Sozialpädagogische
Institut des Landes NRW (SPI) entwickelt im Rahmen des Projektverbundes
"Nationale Qualitätsinitiative im System der Tageseinrichtungen
für Kinder in einem eigenen Projekt "Qualität für
Schulkinder in Tageseinrichtungen (QUAST)" Qualitätskriterien
und Arbeitsmaterialien für die Arbeit mit Schulkindern. Die (Zwischen-)Ergebnisse
dieses Projektes werden ebenfalls in die Weiterentwicklung der fachlichen
Arbeit für Schulkinder in Recklinghausen integriert. Die Aufnahme
in den sogenannten "äußeren Kreis" des Forschungsprojektes
durch das SPI ist zugesagt. Ausblick Insgesamt hat die Stadt Recklinghausen mit diesen verschiedenen Angeboten flexibel und zeitnah auf die unterschiedlichen Bedarfe von Eltern reagiert. Dies bedeutet aber nicht, dass das Ziel eines bedarfsberechten Angebotes für Schulkinder bereits erreicht ist. Alle an diesen Entscheidungs- und Umsetzungsprozessen Beteiligten werden sich immer wieder neu den Aufgaben im Wandel der Familienstrukturen und Arbeitsbedingungen stellen. Dokumentiert wird dieser Prozess jährlich im "Bericht zur Tagesbetreuung von Kindern und Bedarfsplan für die nächsten vier Kindergartenjahre". Ulrich Braun Informationen: Fachbereich Schule
und Sport |