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Kita im Netzwerk
Für eine gelingende Jugendhilfe braucht es ein ganzes Dorf. Sozialraumorientierte
Konzepte stecken noch in den Kinderschuhen. Die Idee wird viel diskutiert,
aber überzeugende Umsetzungsbeispiele sind noch rar gesät. Sozialräumlich orientierte Konzepte haben ein tiefgreifendes Neuverständnis zur Folge: In einem NETZWERK finden sich Bildung, Kultur, die gesamte soziale Arbeit, die Belange alter Menschen, kranker Menschen, arbeitsloser Menschen, und die Jugendhilfe zusammen. Die Vision ist, dass
alles das, was einen menschenfreundlichen Sozialraum ausmacht, gemeinsam
mit allen Beteiligten verhandelt wird und gemeinsam überlegt wird,
wie die vorhandenen Ressourcen möglichst gut verteilt werden. Da ist die Jugendhilfe nur ein Teil des Ganzen. Und bis sich wirklich alle dauerhaft und verlässlich an einem "Runden Tisch" zusammenfinden, ist es noch ein weiter Weg. Deshalb ist der Leitsatz
hinsichtlich einer Sozialraumorientierung zu erweitern: Wegen der Vielschichtigkeit des Themas wird hier nur ein Teilbereich des Sozialraums Gegenstand sein: Ein familienfreundlicher Sozialraum für junge Familien. Zu Beginn werden 3 Bereiche vorgestellt, die schon heute einen erkennbaren Zusammenhang zwischen Tageseinrichtungen für Kinder und sozialräumlicher Orientierung erkennen lassen. 1.1 Tageseinrichtungen für Kinder sind als Jugendhilfeinstitution flächendeckend im Sozialraum präsent Durch den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ist ein wohnbereichsnahes Angebot für Kinder von 3 Jahren bis zum Schuleintritt in ganz Nordrhein-Westfalen gewährleistet. Unzählige Großeltern, Eltern, Kinder, Geschwisterkinder, Onkel, Tanten, Freunde, Nachbarn hatten und haben mit der Tageseinrichtung für Kinder Kontakt. Bringen und Abholen der Kinder, Feste und Feiern, Jubiläen, Basare und Flohmärkte u.v.a.m. schaffen eine regelmäßige Präsenz der Tageseinrichtung für Kinder im Sozialraum. Und diese Präsenz ist nicht nur eine äußere Präsenz, sondern die Erzieherinnen in den Tageseinrichtungen haben eine Geschichte mit vielen Menschen im Stadtteil und die Menschen im Stadtteil mit den Erzieherinnen und vielen anderen Eltern der Tageseinrichtung für Kinder. Gleiches gilt für die Kinder. "Wir sind schon zusammen im Kindergarten gewesen" ist oftmals der Beginn der Beschreibung einer alten Freundschaft. 1.2 Tageseinrichtungen für Kinder sind spezialisierte Institutionen für junge Familien im Stadtteil Wenn ein Kind in die Tageseinrichtung kommt, öffnet sich die junge Familie erstmalig hinein in einen öffentlichen Raum, eine öffentliche Institution, der sie einen Teil der Erziehungsaufgabe der Kinder abgibt. Bemerkenswert ist hierbei, dass die Tageseinrichtung freiwillig besucht wird. Niemand hat Eltern gezwungen, ihr Kind im Kindergarten anzumelden. Und dies über einen langen Zeitraum. Ca. 80% aller Kinder zwischen 3 und 6 Jahren besuchen 3 Jahre die TEK, weit über 90% mindestens 2 Jahre. Hinzu kommen die Kinder, die bereits Angebote für Kinder unter 3 Jahren und später im Schulalter besuchen. Manche sind den größten Teil ihrer Kindheit in einer Tageseinrichtung für Kinder. In der Tageseinrichtung treffen junge Familien vielfach auf Erzieherinnen, denen ihre Lebensphase vertraut ist. Es gibt in der Lebensphase der Familiengründung viele Fragestellungen, die neu sind, die bei vielen Eltern Unsicherheiten auslösen und in der sie Unterstützung brauchen. Es sind Fragen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Rollenwandel des Partners, Probleme mit Geschwisterkonstellationen, materielle Schwierigkeiten. Hier ist Erfahrung vonnöten. Und die findet sich oftmals bei langjährigen erfahrenen Mitarbeiterinnen in der Tageseinrichtung, oftmals mit eigenen Kindern, die Rat und Hilfe geben.
So manche Familie kennen Mitarbeiterinnen seit vielen Jahren, denn manche Mitarbeiterin ist schon seit Jahrzehnten in der Einrichtung tätig. Manche Kinder sind schon wieder selber Mütter. Zumeist sind Schwierigkeiten in Familien schon vorhanden, wenn die Kinder neu in die Einrichtung kommen und meist wissen die Erzieherinnen darüber Bescheid. Die Tageseinrichtung für Kinder ist bestens geeignet, auf Familien zuzugehen und Hilfen anzubieten. Die Schwierigkeiten und Probleme, die Eltern mitbringen, werden am ehesten einer Erzieherin im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten, die Kinder in der Einrichtung haben, mitgeteilt. Hier kann frühzeitig und niederschwellig ggf. unter Zuhilfenahme der Fachlichkeit einer Beratungsstelle oder des Jugendamtes einer jungen Familie Unterstützung angeboten werden. Damit wird die Tageseinrichtung für Kinder ein "Frühwarnsystem" . Aber nur "warnen" ist auf Dauer zu wenig, eine präventive Unterstützung sollte das Ziel sein. Dafür Konzepte zu entwickeln und fachspezifische Personalstundenkontingente einzusetzen ist eine konzeptionelle Aufgabe zur Weiterentwicklung der Jugendhilfe. Dies wird entsprechende
Effekte haben, wie dies Prof. Dr. W. Fthenakis beschreibt:
Für junge Familien
wäre es hilfreich, wenn sie von Beginn einer Schwangerschaft an Angebote
wie Geburtsvorbereitung, Mutter-Kind-Kurse, Kinderbetreuung, Tageseinrichtung
für Kinder, Beratung in Erziehungsfragen, u.a.m. an einem Ort vorfänden. 3. Auf dem Weg zu einem familienfreundlicheren Sozialraum Um das Ziel eines familienfreundlicheren Sozialraumes zu erreichen, sind alle Beteiligten gefordert: Politik, Fachbereich Jugend und Träger und die Tageseinrichtungen für Kinder 3.1 Politik 3.1.1 Kontrakt in NRW zur Unterstützung junger Familien im Sozialraum Im Kindertagesstättengesetz
(KiTaG) Niedersachsen ist beispielsweise eine Sozialraumorientierung als
Aufgabe beschrieben (§ 3 (4)): "Die Tageseinrichtung bezieht
das örtliche Gemeinwesen als Ort für lebensnahes Lernen in die
Gestaltung des Alltags mit ein." Auch die konzeptionelle Zusammenführung der Anstrengungen zur Weiterentwicklung der Angebote für Familien auf Landesebene sind ein wichtiger Schritt, um eine Optimierung der Ressourcen für junge Familien zu erreichen. So wäre es z.B. sinnvoll und hilfreich, die Forschungsvorhaben aus der Familienbildung mit den Erprobungsthemen nach § 21 (1) GTK "Vernetzung" und "Kooperation" miteinander in den Dialog zu bringen.
Im Rahmen der "neuen Steuerung", die die Verwaltungsstrukturen und -wege verändert und neu gestaltet, sind auch die Ziele, Wirkungen und Maßnahmen von Jugendhilfe zu definieren, Schwerpunkte zu setzen und über Kontrakte Vereinbarungen zur Ausgestaltung zu treffen. Dabei könnte die zeitgemäße und bedarfsgerechte dezentrale Ausgestaltung der Hilfen und Unterstützungsangebote für Kinder und Familien eine zukünftige inhaltliche Ausgestaltung sein. Die vorhandene Ressource Tageseinrichtung für Kinder ist dabei sicherlich von großer Bedeutung.
Ressource Raum Ressource Personal Ressource Fortbildung
Für den Fachbereich Jugend in den Kommunen bedeutet eine stärkere konzeptionelle Orientierung an den Lebenssituationen junger Familien in den Sozialräumen, dass gemeinsam mit den freien Trägern Konzepte für eine neue Angebotsstruktur entwickelt werden. Die vorhandenen dezentralen Ressourcen sind zu gestalten, die verschiedenen Anbieter von Leistungen für junge Familien sind ins Gespräch zu bringen und ein Gesamtkonzept für den Jugendamtsbezirk ist unter Federführung von Jugendhilfeplanung auf den Weg zu bringen. Die Träger von Tageseinrichtungen für Kinder werden auch innerhalb ihrer Trägergruppen zur Verteilung ihrer Mittel in den Diskurs gehen müssen. Das Konzept einer zunehmenden Sozialraumorientierung ist bei allen Trägergruppen favorisiert. Für viele Kirchengemeinden ist die Tageseinrichtung von wesentlicher Bedeutung für ihr zukünftiges Gemeindekonzept. Deshalb wird die Entwicklung von Tageseinrichtungen für Kinder in den Sozialraum auch nicht nur eine Frage der "öffentlichen Hand" sein können, sondern gerade hier sind Eigeninteressen der Träger mitberührt und müssen bei der Bereitstellung von Ressourcen bedacht werden.
Die konzeptionelle
Weiterentwicklung und Umgestaltung von Tageseinrichtungen für Kinder
steht und fällt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den
Einrichtungen. Hier sind viele wichtige Kompetenzen und Ressourcen vorhanden
und hier kann eine familienfreundliche Institution ausgestaltet werden.
Es gibt einige innovative Beispiele, wie Tageseinrichtungen für Kinder neue sozialraumorientierte Konzepte entwickelt haben. In Tageseinrichtungen für Kinder gibt es Mutter-Kind-Gruppen, Spielgruppen, Geburtsvorbereitung, pädagogische Seminare, Zusammenarbeit mit Tagespflege, Zusammenarbeit mit Sozialen Diensten und Beratungsstellen, Babysitterbörse u.v.a.m.. Alles dies sind bereits vorhandene Beispiele, "die für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien präventives und flexibles Gestalten ermöglichen, damit adäquate und passgenaue Hilfen entwickelt und angeboten werden können" . Eine solche veränderte Angebotsstruktur für junge Familien wird aber nur gelingen, wenn sich alle Verantwortlichen der Jugendhilfe - öffentliche und freie Träger der Jugendhilfe - zusammenfinden, und ohne die "Schere im Kopf", ohne "Oberbedenkenträger" und ohne "versäulte Determinierungen" Neues denken, konstruieren und gestalten wollen.
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