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Wo führt das
alles noch hin??
Kernpunkte eines neuen Bildungskonzeptes Ministerin Fischer stellte die Kernpunkte zukünftigen politischen Handelns als Antwort auf PISA vor.
Verbindliche Leitlinien Bis hierher hatte
die Ministerin vieles zusammengestellt, was bereits vor PISA diskutiert
worden ist. Dann kam sie zu dem Thema "Verbindliche Leitlinien für
Bildung und Erziehung in Kindergärten in NRW". Aber gerade zu
dieser strukturellen Veränderung sagte sie wenig. Von einem "Bildungsplan"
war die Rede, aber das nahm sie in der anschließenden Presseerklärung
wieder etwas zurück: "Ich will den Kindergarten nicht verschulen.
Aber ich will, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, das Lernen
zu lernen. Kinder sollen mit dem besten Rüstzeug für Schule
und lebenslanges Lernen ausgestattet werden: mit Neugier, Spaß am
Lernen, guten Sprachkenntnissen, mit Sozialkompetenz, mit Freude an Sport
und Bewegung. Damit dies für jedes Kind entsprechend seiner persönlichen
Entwicklung gelinge, müssen künftig die Bildungsziele und -instrumente
genau beschrieben werden." 3 In der anschließenden Aussprache wurde an diesen Überlegungen Kritik geübt. So wurde eine unabhängige Institution gefordert, die Standards und Leitlinien überprüft und zwar völlig unabhängig von Trägerinteressen und von Haushaltslagen. Die Ministerin nahm hierzu nicht weiter Stellung. Mit einer grundsätzlichen Bemerkung löste sie allerdings erheblichen Protest im Publikum aus. Es solle nicht über Geld, sondern über neue Konzepte diskutiert werden, so die Ministerin. Belastung von Erzieherinnen in den Blick nehmen Verbandsvertreter, Vertreter von Erzieherinnenverbänden und von Gewerkschaften wiesen auf die vielfältigen Leistungen und Belastungen von Erzieherinnen hin. Viele Erzieherinnen versuchen, als Mütter Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Sie sorgen sich bei zurückgehenden Kinderzahlen um ihren Arbeitsplatz. Sie bemühen sich unermüdlich um Lösungen für die vielfältigen Probleme von Eltern, mit denen sie täglich konfrontiert sind. Sie sind nach der Arbeitsverdichtung durch Nachmittagstabelle, Aufnahme anderer Altersgruppen, Erprobungen, Qualitätsmanagement-Ansprüchen, Konzeptveränderungen wie Öffnung zum Stadtteil, Sprachförderung, Prävention von Lese-Rechtschreib-Schwäche, Aufnahme von Schulkindern usw. usw. vielfach am Ende ihrer Kräfte. Viele, die täglich die Kinder unterstützen, ermutigen, fördern, begleiten, sind müde und erschöpft.4 Reformen - und zwar ausschließlich Einspar-Reformen - werden seit Jahren auf dem Rücken von Erzieherinnen ausgetragen, hieß es in einem Beitrag. Kontinuierlicher Personalabbau In den letzten Jahren habe es, so die Ministerin, einen Ausbau im Bereich Tageseinrichtungen für Kinder gegeben. Damit hatte sie die Schaffung neuer Plätze gemeint. Aber dieser Ausbau ist zu Lasten der personellen Ausstattung gegangen.
Ein realistisches Beispiel veranschaulicht die aktuelle Wirklichkeit vieler Leitungen:
Absenkung der Gruppenstärke Die Ministerin forderte das Publikum auf, die aktuelle Diskussion um PISA als Chance für die Tageseinrichtungen für Kinder zu begreifen und sich mit eigenen Überlegungen einzubringen. Ein konkreter Vorschlag
wurde eingebracht: Mit dem prognostizierten Rückgang der Kinderzahlen
um etwa 20% in den nächsten zehn Jahren könnte die Gruppenstärke
stufenweise abgesenkt werden. Hierzu wäre ein Änderung der Betriebskostenverordnung
(BKVO) erforderlich. 20 - 22 Kinder in jeder Gruppe wären ein erster
- aber wichtiger - qualitativer Schritt zur Verbesserung der Rahmenbedingungen
von Tageseinrichtungen für Kinder. Der Applaus des Publikums zeigte,
dass dieser Vorschlag auf breite Zustimmung stieß. Weshalb die Ministerin bei diesem konkreten Vorschlag so auffällig zurückhaltend blieb, ist nach der wenig später getroffenen Entscheidung des Landeskabinetts Nordrhein-Westfalen zu finanziellen Entlastungsmöglichkeiten der Kommunen (siehe dazu die Resolution des Landesjugendhilfeaussschusses Rheinland in dieser Ausgabe) nachvollziehbar. Die Entscheidung, dass die Gruppengröße ohne Zustimmung des Landesjugendamtes ausgeweitet (!) werden kann, zeigt nachdrücklich, dass die Finanzverantwortlichen in Nordrhein-Westfalen trotz PISA weiterhin andere Prioritäten haben. So können durchaus, wie in einem Redebeitrag festgestellt wurde, für eine neue Verkehrstechnologie (Metrorapid) Milliarden bereit gestellt werden. Und weil die Jugendministerin in erster Linie keine Finanzverantwortung in NRW hat, sitzt sie mit allen, die in den verschiedenen Bereichen der Sozialen Arbeit tätig sind, vielfach im gleichen Boot. Vor diesem Hintergrund hat sie mit der Forderung nach der Entwicklung von "Leitlinien" recht. Die Arbeit von Tageseinrichtungen für Kinder ist nach wie vor zu wenig dokumentiert und evaluiert. Auch zukünftig werden keine neuen Lehrstühle eingerichtet, es werden keine kontinuierlichen Forschungsaufträge erteilt, die die Leistungen der Tageseinrichtungen für Kinder dokumentieren und evaluieren, es wird keine Hochschulausbildung des Personals geben, Leitung soll weiterhin überwiegend so nebenher mitgemacht werden und für bis zu 30 Kinder in der Gruppe soll angesichts der Finanznöte Verständnis aufgebracht werden. Da bleibt nur, dass Erzieherinnen sich weiter professionalisieren, indem sie lernen, zukünftig ihre Praxis regelmäßig zu dokumentieren und zu evaluieren. Wenn Tageseinrichtungen für Kinder in der Lage sind, professionell nachzuweisen, welche Folgen die jahrelangen - im internationalen Vergleich immer peinlicheren - Einschnitte haben, dann wird es schwieriger werden, bei jeder neuen "Haushaltsnot" Tageseinrichtungen für Kinder mit noch schlechteren Standards auszustatten. Dann werden Tageseinrichtungen für Kinder auf der Grundlage von "Leitlinien" nachweisen, was sie mit den Ressourcen, die sie zur Verfügung gestellt bekommen, leisten können - und was auch nicht. Und vielleicht werden die Finanzverantwortlichen irgendwann ein wenig verstehen, dass Zukunftsfähigkeit nicht ohne gut unterstützte und geförderte Kinder zu haben ist. Der schwedische Politiker Olof Palme hat bereits vor vielen Jahren dafür eine politische Leitlinie formuliert, die zu einem Prüfkriterium der Landesregierung werden sollte, wenn sie Leitlinien für die Tageseinrichtung für Kinder vorgeben will:
Ulrich Braun
1
Vgl. dazu "Die internationale Schulleistungsstudie PISA 2000"
in Kita aktuell NW 2/2002
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