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Aufgaben von Trägern und Fachberatung. Erste Erfahrungen in Nordrhein-Westfalen Ulrich Braun Die rasante Entwicklung der "Familienzentren NRW" - etwa tausend in kaum mehr als zwei Jahren - hat Träger und Fachberatung überrascht und fast überrollt. In kürzester Zeit sollten Anträge gestellt und Konzepte entwickelt werden. Und dann stand auch schon die Zertifizierung für die künftigen Familienzentren in der Pilotphase an. Inzwischen liegen Zertifizierungskriterien vor und damit ein Orientierungsrahmen für Trägerentscheidungen und Beratungserfordernisse. Bereits jetzt hat es so viele Entwicklungen in der Zusammenarbeit von Institutionen, der Neugestaltung von Angeboten und der Professionalisierung der Angebotsdarstellung gegeben, dass sich eine alte Wahrheit bestätigt: Wenn Finanzmittel für ein Konzept dauerhaft zur Verfügung gestellt, die Mittelvergabe mit eindeutigen Kriterien hinterlegt und diese verbindlich von außen überprüft werden, dann gelingt es, eingefahrene Strukturen zu verändern! Dieser Impuls zur Umgestaltung von Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren ist ohne Frage von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen ausgegangen. Träger und Fachberatungen sind noch dabei, ihre Rolle in diesem Veränderungs- und Umbauprozess der Institution "Kindergarten" zu finden. Träger sind in der Verantwortung Viele Träger
haben vielerorts sehr engagiert und interessiert reagiert. Sie haben
ihre Einrichtungen aufgefordert, sich als künftiges Familienzentrum
zu bewerben oder haben sich von der eigenen Einrichtung ins Boot setzen
lassen. Inzwischen verstärkt sich der Eindruck, dass Familienzentren
zu einer Belebung der Trägerrolle beitragen. Der originäre
Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag wurde lange Jahre als selbstverständlicher
Auftrag wahrgenommen. Die Familienzentren bedeuten nun eine Neuverortung
innerhalb der Jugendhilfe. Tagespflegevermittlung, Beratungsstellen,
Familienbildung - die ganze Trägerlandschaft der öffentlichen
und freien Wohlfahrtspflege interessiert sich neuerdings für Kindertageseinrichtungen.
Die Zusammenarbeit muss verbindlich verabredet und dokumentiert werden.
Das geht nur mit dem Träger zusammen. Und so unterzeichnen die
Träger nun Kontrakte zur Zusammenarbeit ihres Familienzentrums
mit der Familienberatung, verabreden Kurse mit der Familienbildungsstätte
in ihren Räumen und bietet die Möglichkeit eines Treffs für
Tagesmütter. Konzeptentwicklungen für "Frühwarnsysteme",
Neugeborenenbesuche oder Kinderwagentreffen finden in Familienzentren
statt. Präventionskonzepte beziehen die Träger von Kindertageseinrichtungen
verbindlich mit ein. Familienzentren haben einen anderen Stellenwert
- und damit verändert sich auch der Stellenwert des Trägers
im Gemeinwesen.
Stellt sich der Träger den vielfältigen Aufgaben eines Familienzentrums, kann der Kriterienkatalog für Trägerqualität, entstanden in der Nationalen Qualitätsinitiative, eine hilfreiche "Checkliste" sein.
Die Träger sind auf dem Weg, sich diesen vielfältigen Fragen zu stellen. Sie haben dabei starke Partner, ihre neuen Kooperationspartner im Familienzentrum. Oft sind es künftig gemeinsame Antworten, die die Träger unter dem großen, neuen Dach der Familienzentren gemeinsam finden werden. Unterstützung werden ihnen dabei Fachberatungen geben können, möglicherweise aber Fachberatungen mit einem neuen Profil. Die Fachberatung steht vor ganz neuen Herausforderungen In Nordrhein-Westfalen
wurde eine Baustelle nach der anderen aufgemacht. Ein neues Kindergartengesetz
("KiBiz") stellte die Finanzierung um, Träger verabschieden
sich von Kindertageseinrichtungen, Vierjährige wurden landesweit
vollständig auf ihre Sprachkompetenz getestet ("Delfin 4")
und dann eben auch noch die Familienzentren ins Leben gerufen. Diese
waren für viele Fachberatungen erst einmal nicht der wichtigste
aktuelle Arbeitsbereich, sondern ihre Sorge galt eher dem Erhalt ihrer
Kindertageseinrichtungen, der Schaffung neuer Trägerstrukturen
und nicht zuletzt ihrer eigene Rolle in diesen neuen Strukturen. Netzwerkbildung und Koordination Als das Land an
die Träger herantrat, sich für die Pilotphase der Familienzentren
zu bewerben, war in Recklinghausen sehr schnell klar, dass es zu einem
gemeinsamen Prozess aller Träger kommen sollte. Es sollten keine
Kindertageseinrichtungen erster und zweiter Klasse entstehen, nämlich
"Familienzentren" und andere Kindertageseinrichtungen. In
den Qualitätskriterien für das Gütesiegel sind Sozialraumbezug
und Kooperation Strukturbereiche eines Familienzentrums, die nachgewiesen
werden müssen. Deshalb sollten keine konkurrierenden Situationen
entstehen, wo konzeptionell Kooperation erforderlich ist. Kindertageseinrichtungen
und Kooperationspartner der Familienzentren sollten Unterstützung
erfahren. Beide haben nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung, die
bestmöglich eingesetzt werden sollten. Anmerkungen Die Ausgabe 6.2008 von TPS, der evangelischen Fachzeitschrift für die Arbeit mit Kindern, trägt den Titel "Bedarfsgerecht und vernetzt. Familienzentren" und enthält eine Vielzahl von Beiträgen rund um das Thema Familienzentrum. www.tps-redaktion.de Autor Ulrich Braun ist
Diplom-Pädagoge und Abteilungsleiter für die städtischen
Kindertageseinrichtungen und Familienzentren der Stadt Recklinghausen.
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